Elterngeld Verstehen: Berechnung und Anspruch Erklärt
Viele junge Eltern stehen nach der Geburt ihres Kindes vor einer Fülle von Fragen: Wie viel Elterngeld bekommen wir? Wann können wir den Antrag stellen? Und wie wird die Höhe eigentlich berechnet? Das Elterngeld ist eine wichtige Leistung, die Familien nach der Geburt eines Kindes finanziell unterstützt. Doch die Regelungen sind vielfältig und nicht immer einfach zu durchschauen. In diesem Artikel führen wir euch durch alle wesentlichen Aspekte des Elterngeldes – von den Voraussetzungen über die Berechnung bis hin zur praktischen Beantragung. Wir haben alle relevanten Informationen zusammengefasst, damit ihr eine fundierte Entscheidung treffen könnt, welche Elternzeitregelung für eure Familie die beste Lösung darstellt.
Was ist Elterngeld und Wer hat Anspruch?
Das Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die es Eltern ermöglicht, beruflich weniger zu arbeiten oder ganz auszusetzen, um sich um ihr Neugeborenes zu kümmern. Es handelt sich um eine Einkommensersatzleistung, die in Deutschland nach der Geburt eines Kindes gewährt wird. Während der Elternzeit zahlt der Staat prozentual einen Teil des vorherigen Nettoeinkommens aus – diese Sicherheit gibt vielen Eltern die Freiheit, sich vollständig ihrer neuen Aufgabe zu widmen.
Voraussetzungen für den Elterngeldanspruch
Um Elterngeld beziehen zu können, müssen einige grundlegende Bedingungen erfüllt sein:
- Wohnsitz und Aufenthaltstitel: Ihr müsst in Deutschland leben und einen festen Wohnsitz haben. Für nicht-deutsche Staatsangehörige ist zudem ein gültiger Aufenthaltstitel erforderlich.
- Sorgerecht: Mindestens ein Elternteil muss das Kind selbst betreuen und wohnt mit dem Kind zusammen.
- Tätigkeit oder Ausbildung: Ihr müsst vor der Geburt berufstätig gewesen sein, eine Ausbildung absolviert oder Arbeitslosengeld bezogen haben. Arbeitslose und Studenten ohne Einkommen haben nur unter bestimmten Bedingungen Anspruch.
- Einkommen: Das monatliche Nettoeinkommen darf 300 Euro pro Monat nicht unterschreiten (beim Basis-Elterngeld). Für Elterngeld Plus gelten andere Grenzen.
- Zeitliche Limitierung: Der Anspruch besteht maximal für die ersten 14 Lebensmonate des Kindes, wenn beide Elternteile Elterngeld beziehen. Ein Elternteil allein kann bis zu 12 Monate erhalten.
Unterschied zwischen Elterngeld und Elterngeld Plus
Es gibt zwei Varianten der Elternzeitförderung, zwischen denen ihr wählen könnt:
Basis-Elterngeld: Dies ist die klassische Variante. Ein Elternteil nimmt sich Zeit für das Kind und arbeitet nicht oder nur minimal. In diesem Zeitraum erhält diese Person 65–100 % des bisherigen Nettoeinkommens ersetzt, maximal 1.800 Euro monatlich. Die Bezugsdauer beträgt 12 oder 14 Monate (je nachdem, ob ein oder beide Elternteile Elterngeld beziehen).
Elterngeld Plus: Diese flexible Alternative ermöglicht es Eltern, während der Elternzeit weiterhin in Teilzeit arbeiten zu gehen. Das Elterngeld Plus ist typischerweise die Hälfte des Basis-Elterngeldes, dafür kann die Bezugsdauer auf bis zu 28 Monate verlängert werden. Diese Variante ist interessant, wenn ihr nicht komplett aus dem Beruf aussteigen möchtet und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf anstrebt.
Berechnung des Elterngeldes
Die genaue Höhe des Elterngeldes zu berechnen erscheint zunächst kompliziert, aber wir zerlegen den Prozess in verständliche Schritte. Das Elterngeld orientiert sich immer an eurem durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt oder dem Mutterschutz.
Die Bemessungsgrundlage Ermitteln
Die Bemessungsgrundlage ist das zentrale Element für die Berechnung. Hier ist, was ihr berücksichtigen müsst:
Zunächst werden alle Einkünfte der letzten 12 Monate addiert – Gehalt, Bonuszahlungen, Provisionen und auch freiberufliche Einkünfte zählen dazu. Von diesem Bruttoeinkommen wird dann eine Pauschale für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, um das Nettoeinkommen zu ermitteln.
Wichtig: Wenn ihr vor der Geburt arbeitslos wart oder Arbeitslosengeld I bezogen habt, beträgt die Bemessungsgrundlage 300 Euro monatlich (oder euer tatsächliches Einkommen, wenn es höher war). Studierende ohne relevantes Einkommen haben keinen Anspruch auf das Basis-Elterngeld, können aber unter Umständen Elterngeld Plus beziehen, wenn sie zu mindestens 30 % arbeiten.
Ersatzquoten und Mindest- sowie Maximalbeträge
Wir zeigen euch die genauen Sätze:
| Bis 1.000 Euro | 100 % | 1.000 Euro |
| 1.000 – 1.200 Euro | 100 % (bis 1.000 Euro) + 90 % (Überschuss) | 1.180 Euro |
| 1.200 – 1.240 Euro | Progressiv | bis 1.216 Euro |
| Über 1.240 Euro | 65 % | maximal 1.800 Euro |
Bei einem durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen von beispielsweise 2.000 Euro erhält ein Elternteil beim Basis-Elterngeld: 65 % × 2.000 Euro = 1.300 Euro monatlich. Das Maximum liegt bei 1.800 Euro. Mit Elterngeld Plus wären es entsprechend 650 Euro pro Monat, die Bezugsdauer könnte sich aber verdoppeln.
Anrechnung von Einkommen und Besonderheiten
Wie Einkommen die Höhe Beeinflusst
Während ihr Elterngeld bezieht, könnt ihr auch arbeiten – allerdings mit Auswirkungen auf die Höhe der Leistung. Wenn ihr während der Elternzeit arbeitet, wird dieses neue Einkommen auf das Elterngeld angerechnet. Wir zeigen euch, wie das funktioniert:
Beim Basis-Elterngeld gilt eine Hinzuverdienstgrenze: Wenn ihr mehr als 30 Stunden pro Woche arbeitet oder verdient, dass euer monatliches Nettoeinkommen das Durchschnittseinkommen der letzten 12 Monate übersteigt, wird die Differenz zu 100 % vom Elterngeld abgezogen. Das bedeutet konkret: Habt ihr vor der Geburt 2.000 Euro verdient und arbeitet während der Elternzeit wieder bei einem Einkommen von 1.500 Euro, wird dieser neue Betrag vom Elterngeld in Abzug gebracht.
Beim Elterngeld Plus sieht es anders aus: Hier könnt ihr bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten, ohne dass euer Elterngeld Plus reduziert wird (sofern ihr nicht über das bisherige Einkommen hinausgeht). Das macht diese Variante für viele berufstätigen Eltern attraktiver.
Eine weitere wichtige Besonderheit betrifft Paare: Wenn beide Partner Elterngeld beziehen, gibt es 4 Extra-Monate (“Partnerschafts-Bonus-Monate”) – aber nur, wenn jeder Partner mindestens 25–30 Stunden pro Woche arbeitet. Das ist eine Möglichkeit, die Gesamtbezugsdauer zu verlängern, ohne auf Einkommen komplett zu verzichten.
Beantragung und Auszahlung des Elterngeldes
Schritt-für-Schritt zum Elterngeldantrag
Die Beantragung des Elterngeldes ist unkompliziert, wenn ihr die nötigen Unterlagen beisammenhabet. So geht ihr vor:
1. Antragsformular beschaffen
Ihr erhaltet die Anträge bei eurer zuständigen Elterngeldstelle (meist beim Jugendamt oder einer Familienkasse eurer Stadt/Gemeinde) oder könnt sie online herunterladen.
2. Erforderliche Dokumente zusammenstellen
- Geburtsurkunde des Kindes
- Kopien eurer Lohnsteuerbescheide der letzten 12 Monate
- Einkommensnachweise (Gehaltsabrechnungen oder ähnliches)
- Nachweise über Steuererklärungen und Steuerbescheide
- Ggf. Arbeitgeberbescheinigungen
3. Antrag ausfüllen und einreichen
Füllt das Formular aus und reicht es zusammen mit den erforderlichen Unterlagen bei eurer Elterngeldstelle ein. Viele Behörden akzeptieren inzwischen auch digitale Einreichungen.
4. Bearbeitung und Bewilligung
Die Bearbeitungsdauer beträgt in der Regel 4–8 Wochen. Ihr erhaltet einen schriftlichen Bescheid mit der genauen Höhe des Elterngeldes.
Zeitliche Fristen und Auszahlungsmodalitäten
Ein entscheidender Punkt: Das Elterngeld wird nicht rückwirkend bezahlt, wenn der Antrag zu spät eingereicht wird. Die Frist zur Antragstellung beträgt 3 Monate nach der Geburt. Stellt ihr den Antrag beispielsweise erst im 4. Monat nach der Geburt, verliert ihr Anspruch auf Elterngeld für die ersten 3 Monate.
Die Auszahlung erfolgt monatlich auf euer Bankkonto, üblicherweise zum Ende des Monats oder Anfang des folgenden Monats. Das Elterngeld wird während der gesamten Bezugsdauer in gleicher Höhe ausgezahlt, es sei denn, ihr arbeitet hinzu und das Einkommen verändert sich.
Wichtig: Wenn ihr wichtige Änderungen habt – wie einen Jobwechsel mit neuerem Einkommen, die Geburt eines zweiten Kindes oder ein Ende der Elternzeit – müsst ihr diese der Elterngeldstelle mitteilen. Falsche Angaben können zur Rückforderung führen.
Häufige Fehler und Tipps zur Optimierung
Typische Fehler vermeiden
Viele Eltern machen Fehler, die zu niedrigeren Leistungen oder sogar Rückforderungen führen. Hier sind die häufigsten:
Zu späte Antragstellung: Wie bereits erwähnt, kosten euch verspätete Anträge echtes Geld. Stellt den Antrag innerhalb von 3 Monaten nach der Geburt.
Unvollständige Einkommensangaben: Viele vergessen Bonus-Zahlungen, freiberufliche Einkünfte oder Provisionen anzugeben. Das führt zu einer zu niedrigen Berechnung und ihr erhaltet weniger Elterngeld als euch zusteht.
Falsche Wahl zwischen Basis-Elterngeld und Elterngeld Plus: Die Variante, die für euch optimal ist, hängt von eurer Situation ab. Wer plant, schnell wieder vollzeitig arbeiten zu gehen, sollte Elterngeld Plus nutzen und damit die Bezugsdauer verdoppeln.
Fehlende Mitteilung von Veränderungen: Wenn sich euer Einkommen während der Elternzeit ändert (neuer Job, Gehaltserhöhung), müsst ihr das mitteilen. Viele Eltern vergessen das und riskieren später Rückforderungen.
Tipps zur Optimierung eurer Elterngeldleistung
Es gibt einige legale Strategien, mit denen ihr eure Elterngeldleistung maximiert:
Timing der Elternzeit klug wählen: Wenn beide Partner Elterngeld beziehen, erhaltet ihr insgesamt 14 Monate statt 12. Plant dies von Anfang an – das ist ein deutlicher Vorteil.
Partnerschafts-Bonus nutzen: Wenn ein Partner den Partnerschafts-Bonus-Monat nimmt und der andere arbeitet, könnt ihr eure Elternzeitdauer um 4 weitere Monate verlängern – bei gleichzeitiger Erwerbstätigkeit.
Die 30-Stunden-Grenze nutzen: Beim Elterngeld Plus könnt ihr bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten, ohne dass die Leistung sinkt (im Rahmen der Bedingungen). Das ist perfekt, um in Kontakt mit dem Beruf zu bleiben und finanzielle Lücken zu vermeiden.
Einkommenssprünge vermeiden: Wenn möglich, vermeidet größere Gehaltssteigerungen oder Jobwechsel direkt nach der Geburt. Das Elterngeld basiert auf den letzten 12 Monaten Einkommen – wer sein Einkommen kurz vor der Geburt drastisch senkt, bekommt später weniger Elterngeld ausgezahlt.
Tipp für Selbstständige und Freiberufler: Arbeitet mit eurem Steuerbüro zusammen, um alle Einkünfte korrekt zu dokumentieren. Die Elterngeldstellen prüfen genau und Abweichungen führen zu Problemen.

